Augsburger Friedensmarathon 2013

Die Stadt Augsburg tut sich momentan schwer, den diesjährigen Friedensmarathon erneut finanziell unterstützen. Somit droht leider eine Komplettabsage.

Wir sind der Meinung, dass Augsburg als Friedensstadt weiterhin vorbildlich dieses sportliche Event unterstützen sollte.

Deshalb haben wir von der "Initiative Augsburg bewegen" die Stadt Augsburg gebeten, unseren Vorschlag zu überprüfen.

Hier unser Schreiben...

Friedensmarathon_2013.pdf

 

 

InAb besucht Putenfarm in Gablingen

Ein Fleischskandal nach dem anderen sorgt regelmäßig für Verunsicherungen bei den Verbrauchern. Kaum ein Monat vergeht ohne  negative Schlagzeilen aus der Fleischbranche. Für die "Initiative  Augsburg bewegen" (InAb) war dies Anlass genug, einmal eine regionale  Produktionsstelle selbst in Augenschein zu nehmen. Auf dem Augsburger  Stadtmarkt findet sich in der Viktualienhalle ein Verkaufsstand, der  „Gablinger Truthahnspezialitäten“ vermarktet. So passte es gut  zusammen, dass Vertreter der Grünen im Rahmen der „Kreisgrünen  Stallbesuche“ die  Putenfarm Gablingen besuchten, denen sich Roland  Wegner von InAb anschließen durfte.

Auf dem Parkplatz wurden die Besucher bereits vom Hofinhaber Klaus  Dieter Bittner erwartet. Selbstbewusst berichtete er, dass der Betrieb  von ihm alleine aufgebaut wurde, mittlerweile habe er fast 20  Beschäftigte. Er lege Wert auf bestmöglichen Tierschutz und stelle  sich auch gerne kritischen Fragen. Auf der Anlage war weit und breit  kein freilaufender Truthahn zu sehen. Die gesamte 16-wöchige  Produktion verläuft in überdachten Hallen.

Die erste Station war eine Aufzuchthalle mit 9 Tage alten Putenküken,  die mittels Tiertransport von einer einige 100 Km entfernten Brüterei  angeliefert wurden. Sie hatten genügend Platz in der mit Holzspänen  frisch gestreuten Halle. Zudem sei für die Küken eine Fußbodenheizung  installiert. In der Halle selber gab es weder Sonne noch Tageslicht.  Es war daher verständlich, dass die Küken beim Öffnen der Tür nach  draußen wollten, einigen gelang auch eine kurzzeitige Flucht an die  frische Luft. Auffällig waren die blutunterlaufenen Schnäbel. Auf  Nachfrage wurde vom Hofinhaber erklärt, dass der obere Teil des  Schnabels gleich nach dem Eischlupf mittels Laser amputiert wurde, um  die Tiere den sie zu erwartenden Haltungsbedingungen anzupassen. Ob  die Küken dabei Schmerzen erleiden müssten, konnte nicht beantwortet  werden. Roland Wegner hielt hier dem Inhaber das selbstrecherchierte  Beispiel vor Augen, dass bei freilaufenden Puten die Schnäbel nicht  gekürzt werden müssen. Dies wurde vom Betreiber bestätigt, allerdings  wäre diese Form der Tierhaltung für ihn wirtschaftlich unrentabel.

20 Zentimeter über dem Boden verlaufen die Futterrohre, darüber ist  ein feiner Draht gespannt, damit die Tiere sich hier nicht draufsetzen  können. Angesprochen darauf, dass Puten ja eigentlich Baumvögel  (Anmerkung: sie sitzen nachts auf Bäumen oder Stangen) seien und in  den Ställen keine Stangen zu sehen sind, erhielten die Teilnehmer  folgende Antwort: „Sitzstangen haben für mich als Fleischproduzent den  Nachteil von Mehrarbeit. Die Puten würden dann häufiger auf den  Stangen abkoten. Bei meinem System verteilt sich der Kot gleichmäßig  in der Aufzuchthalle, gemistet wird erst nach der Ausstallung. Im  Übrigen bin ich der Meinung, dass sich die Tiere ganz gut an die  vorgegebenen Gegebenheiten anpassen können und dadurch erhöhte  Sitzgelegenheiten nicht besonders vermissen“, so der von seiner  Haltungsart überzeugte Hofinhaber.

Statt Antibiotika erhalten die Gablinger Puten alle zwei Wochen  Sprühimpfungen, die letzte drei Wochen vor der Schlachtung. Der  Impfstoff gelangt ins Blut. Klaus Dieter Bittner konnte Wegners Frage  nicht beantworten, ob sich der Impfstoff auch im Fleisch ablagert,  "dafür müsse man wohl die Wissenschaftler fragen".Trotz regelmäßiger Impfungen und ausreichendem Platz habe er seinen  eigenen Aussagen nach pro Woche einen Verlust von 3-5 Tieren, die auf  der Gablinger Putenfarm vorzeitig verenden. Bei einer 16-wöchigen  Aufzuchtreihe wäre das ein Verlust von ca. 50 - 80 Puten.

Da auf allen Werbeträgern die Aufschrift „Getreideputen aus Gablingen“  steht, schaute sich Wegner das Futter genauer an und stellte zu seiner  Überraschung fest, dass es sich um eine bunte Futtermischung handelte,  die nicht nur aus Getreide bestand. Damit konfrontiert gab Klaus  Dieter Bittner zu, dass er u. a. auch importiertes Soja verfüttere. Er  habe sich bislang nicht dafür interessiert, woher das Soja stamme und  ob es genverändert sei, was bei den Teilnehmern für irritierte Blicke  sorgte. Nochmals auf den  vertrauenserweckenden Werbeslogan  „Getreideputen aus Gablingen“ angesprochen, entgegnete Bittner, dass  dies rechtlich in Ordnung sei und er diesen Spruch nur aus  marketingstrategischen Gründen gewählt habe. Für diese Bezeichnung  würde es rechtlich gesehen ausreichen, wenn das Futter 50 Prozent  Getreide enthält. Er mischt zum Getreide eine industriell gefertigte  eiweißhaltige Futtersubstanz, die eben auch Soja enthält. Den Ackerbau  für das Getreide lässt der Tierhalter von im Dorf ansässigen  Landwirten verrichten.

Schlachtreif sind die Tiere bei dieser Art der Tierhaltung nach vier  Monaten, was im Verhältnis zur biologischen Lebenserwartung von 10-15  Jahren eine sehr kurze Zeit ist. Getötet werden die Puten nur unweit  ihres letzten Stalles, was stressige Tiertransporte entbehrlich  machen. Sie werden lebendig mit den Beinen bzw. an den Flügeln  aufgehängt und zur Betäubung durch ein Strombad gezogen, danach  geköpft, um ausbluten und sterben zu können.
 
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Fazit des Putenhalters: Solange das Kauf- und Essverhalten der  Menschen und die Gesetzeslage unverändert bleiben, wird er auch sein  System der Putenfleischerzeugung nicht verändern. Wenn er nicht mehr  in dieser Form produziert, tun es andere Mäster.

Dem stimmten auch die Besucher zu, die insgesamt drei Ställe und die  Schlachthalle besichtigten. Im Anschluss wurden die Teilnehmer noch zu  einem Imbiss eingeladen, auch für Veganer gab es ein Angebot.

Roland Wegner sieht nach diesem Besuch die Bestätigung, dass das  Bewusstsein der Menschen über ihre überwiegend industriell gefertigte  Ernährung verbessert werden müsse. Folgerichtig sieht er deshalb den  Antrag an die Stadt Augsburg,, bei städtischen Einrichtungen wie  Schulen, Kindertagesstätten, Altenheimen, Krankeneinrichtungen und  Kantinen einen Veggieday einzuführen. Auch die Parteien selbst sollten  mit gutem Beispiel vorangehen und das pflanzliche Angebot bei ihren  Veranstaltungen erhöhen.